Durch Glück oder Gottes Fügung – das kann man sehen, wie man möchte – habe ich es geschafft an Heilig Abend in Bethlehem an der Mitternachtsmesse teilzunehmen. Dazu musste man sich Anfang Dezember beim Christian Information Center in Jerusalem um eine Karte bewerben, bzw. das Glück haben, dass einem eine am 15. Dezember zugelost wurde. Und das Glück war auf meiner Seite.
Am 24. Dezember also, der hier ein ganz normaler Arbeits- und auch Universitätstag ist, war ich wie üblich bis um fünf in der Uni, um danach nach Hause zu hetzen und mich fertig zu machen. Denn wir haben uns um sechs getroffen, um mit dem Bus nach Bethlehem zu fahren. Wie schon die Male zuvor sind wir ohne Probleme durch den Checkpoint gekommen, haben auch nach ein wenig Verhandlungsgeschick zwei Taxis gefunden und sollten damit eigentlich ohne Probleme zur Geburtskirche kommen. Doch dann stellten sich zwei Probleme ein, da wir zu fünft waren, mussten wir uns aufteilen und Deborah, Corinna, Gavin und Jeanne waren im einen Taxi und ich mit zwei mir nicht bekannten Kanadierinnen im anderen Taxi. Das nächste Problem war, dass nach einigen hundert Metern die Straßen komplett von Autos verstopft waren und mein Taxifahrer sich durch kleinste Gassen bis fast an die Geburtskirche heran kämpfte, die anderen aber von ihrem Fahrer irgendwo aus dem Taxi geschmissen wurden und sich erst einmal zurecht finden mussten. Wir haben uns auch nach nicht allzu langer Zeit am Platz vor der Kirche getroffen und sind dort ein wenig herumgelaufen und haben der Live-Musik gelauscht, die Deko angeschaut und auch den einen oder anderen Laden.
Gegen halb acht sind wir in ein Restaurant gegangen und haben dort zu Abend gegessen und uns etwas aufgewärmt, denn Heilig Abend war der kälteste Abend, den ich hier bis dato hatte. Nach dem Essen sind wir noch einmal kurz über den Platz gelaufen und haben uns gegen zehn Uhr in die Schlange vor der Katharinenkirche eingereiht, in der zwei Stunden später die Mitternachtsmesse mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem stattfinden sollte. Doch es sollte noch eineinhalb Stunden dauern bis wir endlich aus der Kälte – es hatte zwischendurch angefangen etwas zu graupeln – herauskamen und die Kirche betreten konnten.
Um halb zwölf begann das Vorprogramm zum Gottesdienst mit dem rezitativen Singen von diversen Psalmen in Latein, die wir teilweise stehend, teilweise auf dem Boden sitzend mitverfolgten. Fünf Minuten vor Beginn des Gottesdienstes hat Mahmoud Abbas mit einigen Bodyguards und anderen palästinensischen Offiziellen die Kirche betreten. Und erstaunlich pünktlich hat dann auch der Gottesdienst begonnen, der auf jeden Fall einer der spektakulärsten war, die ich je mitverfolgt habe und auch einer der anstrengendsten, schließlich war es doch sehr beengend während des ganzen Stehens. Zwei Stunden später war dann auch der öffentliche Teil zu Ende und die Offiziellen zogen sich in die Geburtsgrotte zurück und wir machten uns auf den Weg zurück nach Jerusalem, dass wir gegen drei Uhr erreichten. Nach einem kleinen Spaziergang im Regen, da gerade kein Taxi zur Verfügung stand, dass uns alle zum Student Village bringen wollte, haben wir zu Hause noch gegen halb vier mit der Bescherung begonnen.
Ziemlich müde bin ich dann nach dem außergewöhnlichsten Weihnachtsfest, das ich bisher hatte um fünf in meine Kissen gesunken.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag bin ich mit Kati noch einmal nach Bethlehem, erneut in den Gottesdienst. Doch diesmal war alles etwas anders, kaum Menschen, verglichen mit Heilig Abend, außerhalb und innerhalb der Kirche und dann kam die Überraschung, die Messe war nicht in Englisch, Lateinisch oder Mulitlingual – nein es war meine erste in Arabisch. Verstanden habe ich nichts außer Eigennamen und Amen, Spaß gemacht hat es trotzdem!