Verfasst von: janniadfontes | 3 März 2009

Silvester

Silvester haben wir im kleinen Kreis gefeiert, mit einem leckeren Essen und einigen Flaschen Wein. Leider haben wir keinen gescheiten Sekt zum anstoßen gefunden und mussten uns mit einer sehr sehr gewöhnungsbedürftigen Flasche anfreunden – ich hoffe dass es trotzdem ein gutes und erfolgreiches Jahr wird.
Raketen hatten wir Gott sei Dank auch keine, zum einen weil das Neujahrsfest des gregorianischen Kalenders in Israel nicht gefeiert wird, hier feiert man ja im September oder Oktober. Und zum anderen sind während des gesamten Gazakrieges keine Raketen bis nach Jerusalem gekommen. Davon habe ich hier Jerusalem nämlich kaum etwas direktes mitbekommen. Spontan fallen mir nur drei Dinge ein: zwei Demonstrationen im benachbarten arabischen Viertel als dort Reifen angezündet wurden – das gefährlichste war der leichte Tränengasgeruch der IDF Soldaten; und eine friedliche Demonstration von palästinensischen Studenten vor der Uni gegen mehr oder minder rechte und nationale israelische Studenten auf der anderen Straßenseite. Glücklicherweise sind keine Attentate in Jerusalem passiert, auch wenn unbestätigten Gerüchten zufolge, der eine oder andere Sprengsatz an den Checkpoints gefunden worden sein soll. Wer weiß … oder um es mit einem englischen Sprichwort zu sagen: Who knows, who cares? So könnte man nämlich in gewisser Weise die Reaktion hier bschreiben. Das Leben ging mehr oder weniger in seinen gewohnten Bahnen und abgesehen von den Nachrichten hätte man beinahe vergessen können, was in Gaza vorging. Die Gespräche hat es dann doch beeinflusst und man konnte die unterschiedlichsten Ansichten hören, von Menschen, denen man solche vorher nicht zugetraut hätte. Die Geschehnisse aus dieser Zeit bekommen ganz andere Dimensionen, wenn man in relativer Nähe zu den Schauplätzen lebt oder Menschen kennt, die eingezogen werden, wie zwei meiner Freunde. Der eine war in Gaza, der andere musste nur in den Norden und dort zwei Wochen Checkpointdienst leisten. Erleichterung machte sich breit, als endlich die Waffenruhe beschlossen wurde, jetzt hängt vieles von der neuen Regierung ab, hoffen wir das Beste!


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