Verfasst von: janniadfontes | 26 Dezember 2008

Eltern zu Besuch!!

Lang lang, Mitte Oktober ist es her – genauer vom 8. bis zum 23. –  da sind meine Eltern nach Israel geflogen um mich zu besuchen.

Die erste Rundreise

Mittwochs am frühen morgen sind meine Eltern gelandet und ich habe sie in Tel Aviv am Flughafen abgeholt. Nachdem wir den Mietwagen gefunden hatten sind wir nach Jerusalem gefahren und gegen zwei Uhr bei mir zu Hause im Student Village angekommen.
Am nächsten Morgen sind wir zu unserem größeren Ausflug aufgebrochen und für drei Tage in den Süden des Landes gefahren – nach Eilat und Massada. Auf der über 300 km langen Strecke durch die Wüste sind wir am Toten Meer entlang und durch den Negev bis ans Rote Meer gefahren und haben dort in einem christlichen Hostel eingecheckt. Kurz nachdem wir in Eilat angekommen waren ist die Sonne untergegangen und der höchste der jüdischen Feiertage hatte begonnen – Jom Kippur. An Jom Kippur feiern die Juden den Versöhnugstag mit Gott und können so Vergebung für ihre Sünden erlangen. Jegliche ist Arbeit ist verboten, nicht einmal Auto wird gefahren und den ganzen Tag gefastet. Wir hatten uns ja schon darauf eingerichtet, dass Jerusalem über diesen Feiertag tot ist, aber wir hätten nicht erwartet, dass es in Eilat, dem ‘Ballermann’ Israels, genauso ist. Im ersten Moment dachten wir nicht so schlimm, wir hatten ja Essen gekauft und konnten somit noch zu Abend essen und am nächsten Morgen frühstücken bis uns das Essen ausging und auch wir fasten mussten.
Den Tag haben wir dann an einem öffentlichen, völlig überfüllten Strand verbracht, uns in der Sonne ein klein wenig bruzeln lassen und in regelmäßigen Abständen ins Meer zu springen. Ab der frühen Nachmittagszeit kam dann aber der Hunger durch und wir freuten uns immer mehr auf den Abend und das damit verbundene Essen. Gegen sieben Uhr war es soweit; wir saßen in einem Restaurant und warteten sehnsüchtig auf das bestellte Essen.
Am Tag darauf sind wir nochmal an den Strand gefahren, diesmal aber an einen anderen, den Coral Beach. Dort kann man wunderbar schnorcheln und die tollsten Fische in allen Regenbogenfarben sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das soviel Spaß machen würde, aber ich freu mich schon auf das nächste Mal, wenn wir ans Rote Meer fahren und wieder schnorcheln gehen.
Am nächsten Morgen zogen wir aus dem christlichen Hostel aus und machten uns auf den Rückweg nach Jerusalem mit einem Zwischenhalt in der Nähe des Toten Meeres um uns die antike Festung Massada anzuschauen. Durch die Lage am Toten Meer und die steil abfallenden Hänge des Bergplateaus von 100 bis 400 m war sie zum einen nur schwer einzunehmen, aber noch viel atemberaubender ist die technische Leistung, die es möglich gemacht hat vor mehr als 2000 Jahren mitten in der Wüste eine solche Festung zu bauen und dann auch ein riesiges Schwimmbad für König Herodes einzugliedern. Nachdem wir mehrere Stunden in der Sonne und Hitze umhergelaufen sind, haben wir uns auf den Rückweg nach Jerusalem gemacht.

Totes Meer

Am Sonntag darauf, das war der 12.10., sind wir nach Qumran und En Gedi gefahren. In Qumran haben wir uns die Überreste der Essenergemeinde angesehen und sind dann noch zu einer kleinen, spontanen Bergtour aufgebrochen und sind zu einer der Höhlen geklettert, die ein paar Meter über den Ruinen liegen. Danach sind wir weiter entlang des Toten Meeres gefahren zum Wadi En Gedi. Mein inzwischen dritter Besuch dort hat sich dahingehend von den beiden anderen unterschieden, dass es zum einen im Oktober lange nicht mehr so heiß ist, wie im August. Aber zum anderen auch, da in den späten Nachmittagsstunden kurz vor Sonnenuntergang die ganzen wilden Tiere rauskommen um zu trinken und so haben ganz viele Steinböcke – kleine und große – und Klippschliefer (sieht ähnlich aus wie ein Murmeltier) gesehen. Nach einer kleinen Wanderung durch den Wadi David und einem kurzen Bad sind wir noch ans Tote Meer gefahren und haben uns im Wasser treiben lassen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir nach wieder Jerusalem zurückgefahren.

Die zweite Rundreise

Von Montag bis Freitag haben wir eine zweite Rundreise durch den Norden des Landes gemacht mit Halt in Caesarea, Akko, Tiberias, Tabgha, Kapernaum, Belvoir, Bet Shean, Hammat Gader, Nazareth, Zippori, Berg Tabor, Megiddo und Herzliya.
Die gesamte Reise stand sehr stark im Zeichen von Ruinen und der Vergangenheit. Angefangen haben wir in Caesarea, einem über einen Kilometer langen und im Schnitt 300 m breiten Ausgrabungsfeld mit Überresten römischer und byzantinischer Siedlungsteile, wie einem Hippodrom, einer Therme, einem Amphitheater oder einem kleinen Palästchen, dass sich Herodes hat bauen lassen und das sich über die gesamte Breite erstreckt.
Am selben Tag sind wir noch weiter in den Norden gefahren, bis fast nach Naharya. Dort haben wir uns dann eine Unterkunft im einzigen christlichen Kibbuz der Welt genommen und sind zum Abendessen ins benachbarte Akko gefahren und dort durch die Altstadt flaniert. Ein Tipp ist auf jeden Fall das kleine arabische Café, dass im Pisanischen Hafen ist. Dort kann man sich abends wunderbar an der alten Kaimauer direkt am Wasser bei Tee, Bier oder frisch gepressten Säften mit einer Wasserpfeife entspannen.
Am nächsten Morgen haben wir uns die Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Akkos angesehen. Die Kreuzfahrerzitadelle, einen unterirdischen Fluchtweg der Templer, der knapp über dem Meeresspiegel liegt und ein Hamam – ein arabisches Bad. Danach sind wir noch ein kleines Stückchen weiter gen Norden gefahren und haben dann nahe der libanesischen Grenze auf kleinen Straßen den Galil durchquert um das Jordantal nördlich des Sees Genesareth zu erreichen. Hier haben wir uns dann auf eine längere und auch teilweise sehr nervenaufreibende Suche nach einer Unterkunft machen müssen, da erneut jüdische Feiertage angebrochen hatten. Sukkoth – das Laubhüttenfest, dass eine Erinnerung an die Wanderung der Juden durch die Wüste nach dem Auszug aus Ägypten ist. Nach mehreren Versuchen haben wir dann doch eine nette Unterkunft gefunden.
Am nächsten Morgen haben wir uns die christlichen Stätten am Nordende des Sees Genesareth angesehen – Tabgha und Kaperna’um. Danach sind wir in den Süden gefahren nach Bet Shean. Vorher haben wir aber noch in Belvoir, einer Burgruine aus dem Kreuzfahrerzeit halt gemacht. Bet Shean ist wohl die interessanteste Ausgrabungstätte gewesen, die wir uns angeschaut haben. Es besteht sowohl aus einer riesigen griechisch-römisch-byzantinischen Stadtanlage mit einem wunderbar erhaltenen Amphitheater und einer Kolonnadenstraße, als auch aus einem Hügel, in dem sich 6000 Jahre Siedlungstätigkeit nachweisen lassen. Den Abend haben wir in Hammat Gader im Golan, in der Nähe der jordanischen und syrischen Grenze, in einer Therme mit ausklingen lassen.
Am Donnerstag sind wir nach Nazareth gefahren, dort ein wenig in der Stadt herumgelaufen und haben uns natürlich auch die Verkündigungskirche angesehen, in der der Heilige Geist Maria die Geburt ihres Sohnes verkündet hat/haben soll. Danach haben wir uns in Zippori die antiken Ausgrabungsstellen angesehen, die im Vergleich mit dem bisher Gesehenen eher enttäuschend waren und nur durch die wirklich wunderbaren Mosaikfunde ein wenig verbessert wurde. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir noch auf den Berg Tabor gefahren und haben uns die dortige Klosterkirche am Ort der Verklärung Christi angesehen.
Nach unserer letzten Nacht am See Genesareth haben wir uns wieder auf den Weg Richtung Jerusalem gemacht und sind nach einem Zwischenstop in Meggido – oder auch Armageddon (aus  Har Megiddo), an dem seinerzeit die Endschlacht zwischen Gut und Böse beginnen wird. Am späten Nachmittag haben meine Mutter und ich uns noch in Herzliya in die Fluten den Mittelmeeres gestürzt, während sich mein Vater lieber beim Lesen mit dem Wind messen wollte, bevor wir zurück nach Jerusalem gefahren sind.

Ashqelon

Am Samstag, dem 18. Oktober, haben wir zu viert – Kati, meine Eltern und ich – einen Ausflug an den Strand nach Ashqelon gemacht. Der Strandabschnitt, der mitten im Nationalpark von Ashqelon liegt und bei dem auch die eine oder andere antike Säule oder Häuserfassade aus dem Strand schaut oder aus einer Düne herausragt, war bis jetzt der schönste, an dem ich bisher in Israel war.

Jerusalem

Endlich, nachdem meine Eltern schon zehn Tage in Israel verbracht haben, haben wir uns an Jerusalem – die Heilige Stadt – gewagt.
Sonntags haben wir uns die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem angesehen, die sich als sehr viel größer als erwartet herausgestellt hat. Nach dem wir uns das Holocaustmuseum durchquert hatten, für das man alleine schon mehr als einen Tage einplanen müsste, sind wir noch durch die parkartigen Außenanlagen gegangen. Ein sehr eindrücklicher, nachdenklicher, aber vor allem immer noch schwer in Worte zu fassender Tag.
Montags sind wir schon am frühen Morgen in die Altstadt und haben uns an der Klagemauer vorbei auf den Tempelberg begeben und leider vergeblich versucht die Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom zu betreten. Danach haben wir die Grabeskirche erkundet und festgestellt, dass man sogar auf dem Dach der Kirche noch die eine oder andere kleine Kapelle finden kann. Am Jaffa Gate angekommen, sind wir den ‘Rampart’s Walk’ gegangen – d.h. wir haben vom Jaffa Gate bis zum Lions’ Gate auf der Stadtmauer die halbe Altstadt umrundet und einen ganz neuen Blick darauf genossen. Auf der anderen Seite Altstadt angekommen, sind wir dann durch das Kidrontal zum Ölberg gelaufen und haben uns dort die vielen Kirchen und Kapellen angesehen, die in irgendeiner Weise mit den Geschehnissen am Ende von Christi irdischen Leben standen.
Wieder in der Altstadt haben wir im Österreichischen Hospiz eine Pause bei Gulaschsuppe und Apfelstrudel gemacht, bevor wir aufs Dach gestiegen sind, um uns dort den Sonnenuntergang anzusehen. Als letzten Punkt, den wir uns an diesem Tag noch zuwenden wollten, hatten wir uns die Dormitio-Kirche ausgesucht. Doch dachten wir danach noch einmal zur Klagemauer zurückzukehren, um dem Tag ein rundes Ende zu geben und da aufzuhören, wo wir neun Stunden zuvor am frühen Morgen angefangen hatten.
Am nächsten Tag haben wir uns Vormittags das Israel Museum, mit dem Modell Jerusalems zur Zeit des Herodes und den Schriftrollen vom Toten Meer, die dort im Schrein des Buches ausgestellt werden. Danach sind wir zurück in die Altstadt, da meine Eltern dort noch ein wenig umher schlendern wollten. Abends haben wir Freunde zum Essen eingeladen und ein wunderbares persisches Mahl aufgetischt.

Bethlehem und Hebron

Am vorletzten Tag des Besuches meiner Eltern sind wir nach Bethlehem und Hebron gefahren. Mit dem gleichen Taxifahrer wie ich beim ersten Mal sind wir aus diesmal zuerst nach Hebron gefahren und dieses Mal war es auch möglich den jüdischen Teil der Patriarchengräber zu betreten und auch die Ibrahims-Moschee, die der schöneren Teil der Patriarchengräber enthält.
Zurück in Bethlehem haben wir uns die Geburtskirche und die Milchgrotte, in der ich vorher noch nicht gewesen bin, angesehen.

Noch einmal Jerusalem

Am letzten Tag haben wir uns zusammen morgens die Uni angesehen und von einem Aussichtspunkt in die Judäische Wüste gespäht. Zum Mittagessen haben wir uns noch einmal in die Altstadt begeben und auf einer Terrasse über den Dächern der Altstadt zu essen. Danach haben wir dem Suq in der Neustadt einen letzten Besuch abgestattet, damit sich meine Mutter noch mit dem einen oder anderen Gewürz eindecken konnte. Am Abend ist dann etwas verspätet auch das Sherut gekommen, das meine Eltern zurück nah Tel Aviv an den Flughafen fahren sollte.

Das war in mehr oder weniger Kürze die Schilderung der zwei schönen und vor allem auch anstrengenden Wochen mit meinen Eltern in Israel.


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